Freitag, 17. März 2017

Ein Welpe kommt ins Haus...

Zeige deinem Hund die Welt...und vor allem zeige deinem Hund, dass seine Welt sicher ist.
"Das Gehirn ist nicht darauf aus, sich weiterzuentwickeln. Die Lieblingsbeschäftigung des Gehirns ist es, Energie zu sparen. Es richtet sich immer so ein, dass möglichst wenig Energie verbraucht wird - Grundgesetz der Natur!" - Gerald Hüther

Daher ist es wichtig, dass auch ein Hund, seine neue Welt spielerisch entdecken darf.

Leider sieht man immer wieder große, verantwortungsvolle Menschen in einem Machtkampf, sogar schon mit einem Welpen. Dabei können Welpen nicht einmal für ihre eigenen Bedürfnisse sorgen. Sie müssen die Eltern oder uns Menschen motivieren, damit wir uns um ihre Bedürfnisse kümmern. Sie haben dafür ein ganzes Arsenal an Kommunikationsmitteln:
Gähnen, Schmatzen, Kopf bewegen, Stupsen, Wedeln uvm. Erst wenn diese ruhigen Gesten nichts bewirken, wird die "Hupe" betätigt :)Winseln, jaulen, jammern, bellen uvm.

Wenn Welpen bellen, dann nur, weil sie in Not sind - ihre Welt nicht mehr stimmt. Auch wenn es banal klingt, aber für schutzlose Welpen, geht es ums Überleben. Der Körper macht sich bereit - für was auch immer! Stresshormone schießen hoch, das aktivierende Nervensystem feuert wie wild, die Durchblutung steigt an usw.
Ein Welpe, der immer wieder in Situationen kommt, die zu aufregend sind, ohne das ihm geholfen wird, speichert diese Stresserfahrungen ab. Er wird überempfindlicher gegenüber Umweltreizen. Dies erklärt, warum manche Hunde später hyperaktiver und unsicherer sind als andere Hunde.
Man kann Welpen nicht abhärten, indem man sie mit für sie lebensbedrohlichen Ereignissen konfrontiert!


Noch schlimmer wird es, wenn Welpen lernen, dass ihr Verhalten im Notfall nichts nutzt, denn dann setzt eine Art Schutzstarre ein, zum einen um Energie zu sparen und zum anderen, um nicht noch auf Feinde aufmerksam zu machen.
Wenn Hunde erst einmal gelernt haben, dass niemand da ist, wenn sie Hilfe brauchen, dann werden sie auch in banaleren Dingen nicht auf uns hören!
Macht Euch einfach eine schöne, entspannte Zeit mit Eurem Welpen und lasst ihn die Welt erkunden, natürlich so, dass er sich und andere nicht gefährden kann - und genießt es!

Mit hunde-freundlichen Grüßen, Stephanie Küster

Mittwoch, 8. Februar 2017

Trainingsziel erreicht - Beziehung beschädigt

Mir fällt immer wieder auf, dass immer noch auf Trainingsmethoden zurückgegriffen werden, die die Beziehung zwischen Hund und Mensch außer Acht lassen.
Fühlt sich ein Hund wohl, so kann er Stress gut bewältigen. Wenn allerdings die Bezugspersonen, die einem Hund Sicherheit geben sollten, Dinge tun, die unangenehm, überwältigend oder brutal sind, so werden in einem Hund zwei vollkommen widersprüchliche Instinkte aktiviert. Zum einen der Fluchtreflex und zum anderen der Bindungsreflex, der besagt, dass man Schutz bei seiner Bezugsperson suchen soll.
Arbeitet man mit Doppelbotschaften, den sogenannten Double Binds, so ist das eine effektive Methode einen Hund gehorsam, allerdings auch, um einen Hund vollkommen zu verunsichern oder gar verrückt zu machen. Diese beiden folgenden Methoden werden auch beim Menschen angewendet, um ihn zu brechen oder auch um ihn einer Gehirnwäsche zu unterziehen.
• Man ändert ständig die Regeln, so dass man nie weiß, was richtig oder falsch ist
• Man sagt etwas, aber die Körpersprache drückt etwas Anderes aus
Bedient man sich also im Training Methoden, die den Hund einschüchtern und / oder verängstigen, so kann das für einen Hund existentiell bedrohlich wirken.
Dadurch muss der Hund seinen Energielevel ständig sehr hoch halten, d.h. der Kampf- und Fluchtmechanismus ist die ganze Zeit an, um schnell reagieren zu können. Diese Unruhe kann sich nicht nur in Hyperaktivität äußern, sondern auch in vielen anderen Symptomen. Einige Hunde können plötzlich nicht mehr alleine bleiben, andere wiederum bellen vermehrt, reagieren über oder explodieren förmlich bei Nichtigkeiten.


Welch ein Chaos, wenn ausgerechnet die Person, die einem Hund Schutz bieten sollte, die ist, die den Hund anbrüllt, runter drückt, am Halsband würgt oder andere Maßnahmen ergreift, die den Hund „gehorsam“ machen soll.
Eine sichere Methode zu erkennen, ob sich jemand dieser „unmenschlichen“ Methode bedient ist, dass sich jemand darüber lustig macht, dass man zu nett zu seinem Hund ist. Ein Hund der nur nett und freundlich behandelt wird, kommt vielleicht nicht, wenn man ihn ruft, macht alleine einen Ausflug oder er tut und lässt was ihm gefällt. Er ist einfach nur nicht gut trainiert. Aber er wird es niemals nötig haben, Formen der Aggression zu zeigen. Warum eine Tür eintreten, wenn sie ständig geöffnet ist.
Menschen kommunizieren zu 80 % über Körpersprache, 10-20 % gelten der Betonung, der Stimmlage und nur höchstens 10 % dem Inhalt unserer Worte. Da also ein Hund niemals in der Lage sein wird, den wirklichen Inhalt unserer Worte zu verstehen, sollten wir unser Augenmerk einmal mehr auf unsere Körpersprache und unsere Tonlage legen.
• Wie oft benutzen wir eine tiefe, knurrige Stimmlage und wollen aber, dass sich unser Hund uns nähert…
• Wie oft möchten wir einen Hund beruhigen und Ruhe in eine Situation bringen, und machen eher Stimmung mit unserer Stimme…
• Wie oft halten wir die Luft an und bauen Spannung auf, wollen aber, dass unser Hund ganz entspannt an Menschen oder Hasen vorbeiläuft…
• Wir möchten uns einem Hund freundlich nähern und zeigen, dass wir nett und freundlich sind, beugen uns aber über einen Hund und fassen mit der Hand auf den Kopf…
• Wir bringen einem Hund keine sauber aufgebauten Kommandos bei, reagieren aber verärgert, wenn er nicht tut, was wir wollen…
• Wir sagen nie, was wir gut und richtig finden, halten aber mit unserem Gemecker und Grenzen setzen nicht hinterm Berg…
Double Binds begegnen uns allen im täglichen Leben. Jedoch sollten wir bemüht sein, es besser zu machen und vor allem nicht wütend auf unser Gegenüber zu sein, nur, weil wir nicht klar und freundlich kommuniziert haben.
Führung sollte auf Empathie basieren und den Versuch, den Hund so sicher und freundlich durchs Leben zu begleiten.
Neue Wege zu lernen und umzusetzen ist anstrengend, aber es lohnt sich. Es wird Zeit umzudenken!

Mit hunde-freundlichen Grüßen, Stephanie Küster

Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Freude am Tun - Intrinsische Belohnung

Die größte Freude ist niemals die Belohnung von außen. Vor allem, wenn ein Hund eine Lösung selber gefunden hat, wird er sie auch immer wieder mit Enthusiasmus von alleine anbieten.
Jeder der schon mal einer Arbeit für Geld nachgegangen ist weiß, dass das Gehalt am Ende des Monats einen kaum noch Purzelbäume der Freude schlagen lässt.
Hat man nette Kollegen, erleichtert das zwar die Arbeit, die Arbeit an sich bleibt jedoch eher das lästige Übel, der man nachgehen muss, weil Rechnungen gezahlt werden wollen.
Diejenigen, die einer Tätigkeit nachgehen, in der die Stunden wie im Fluge vergehen, in der man alles um sich herum vergisst, wissen, wie es ist im "Flow" zu sein. Man fühlt sich gut, voller Energie, kraftvoll, voller Tatendrang, aber nicht hektisch oder nervös. Die Konzentration ist leicht, fokussiert und doch mit viel Weitblick für Neues. Bedürfnisse können leicht zurückgestellt werden, die Frustrationstoleranz nimmt zu, man ist wesentlich stressresistenter, die Empathiefähigkeit ist erhöht, wenig Angst, und durch das anhaltende Glücksgefühl ist die Beziehungsfähigkeit mit viel mehr Freude verbunden.


Zu den selbstbelohnenden Handlungen beim Hund zählen unter anderem Sequenzen des Jagens und das freie Spiel. Beim Spiel geht die Angst verloren und die Lebensfreude wird gestärkt, denn beim Spiel gibt es weder Druck noch Zwang.
Viele Hunde haben jedoch gar nicht mehr den Raum oder die Zeit für das freie Spiel, oder aus Angst, die Kontrolle zu verlieren und einen schlecht sozialisierten Hund zu haben, wird der Hund dauerhaft von außen bespaßt oder anderweitig beschäftigt. Es kommen so viele Reize von außen, dass manche Hunde gar nicht mehr spielen können, selbst wenn man sie lassen würde.
Aus der Tierforschung weiß man, je intelligenter ein Tier ist, desto mehr spielt es. Lernpsychologen nennen es selbstorganisiertes, intrinsisch gesteuertes Lernen. Diese Art des Lernens ist entscheidend dafür, wie gut sich ein Tier später in der Welt zurecht findet. Denn völlig absichtsloses Spielen sorgt für die besten Vernetzungen im Gehirn.
Keine Trainings oder Fördermaßnahmen haben so einen wachstumsfördernden Effekt wie das freie Spiel.
Unterbrechungen und Störungen, Missgunst oder Freude kaputt machende Verhaltensweisen werden nicht nur als unangenehm empfunden, sondern können richtig gehend wütend machen...war man doch gerade in so einer schönen Stimmung.
Von außen wertschätzend zuschauen, sich förmlich mitfreuen, hat nicht nur auf den Zuschauer einen positiven Effekt, sondern es beflügelt den Spaßhabenden noch mit. Das innere gute Gefühl wird sozusagen noch mal angehoben.



Weiß man bei der Erziehung seines Hundes um diese primäre Motivation, entsteht nicht nur eine tolle Bindung, sondern der für uns so wichtige Gehorsam wird spielend leicht!

Mit hunde-freundlichen Grüßen, Stephanie Küster













Donnerstag, 3. November 2016

Schnüffeln unbedingt erlauben!

Schnüffeln gehört zu den Grundbedürfnissen des Hundes. Es dient nicht nur der Orientierung, sondern auch der Kommunikation und der Beruhigung. Nicht umsonst ist das Riechorgan beim Hund sehr groß und gut ausgebildet. Das Aufnehmen der Geruchsstoffe sowie deren Verarbeitung halten das Gehirn eines Hundes fit und gesund.


Was passiert mit einem Hund, dem man das Schnüffeln verbietet. Aktuell darf ich einen typischen Jagdhund beobachten und begleiten, der nur noch heult und bellt und sehr gestresst ist. Dies führt mitnichten zu Problemen mit der Umwelt...
Ein Glück, denn ein lautes Problem sucht nach Lösungen - ein leises, stilles führt nur zum Leiden des Hundes.
Einfach wieder Hund sein zu dürfen, zu schnüffeln und so auch mit Artgenossen kommunizieren zu können, war eines der schönsten Geschenke für diesen Hund. Und für die Besitzerin, die ihren Hund noch nie so entspannt und ruhig erlebt hat  

Mit hunde-freundlichen Grüßen, Stephanie Küster

Mit:)

Dienstag, 11. Oktober 2016

Wenn man ganz andere Pläne hat... Das ist LEBEN

Ein Jahr ist vergangen... und ich bin mir immer noch nicht sicher, wer hier wen aus dem Urlaub mitgebracht hat. Eigentlich nennt es sich ja Flugpate: man begleitet einen Hund aus dem Ausland und übergibt ihn bei der Ankunft in Deutschland seiner neuen Familie...oder war es doch anders herum :o)


Nachdem innerhalb eines halben Jahres meine beiden Hunde gestorben waren, wollte ich einfach nur weg... Ab in den Süden! 

Ganz unbedarft, nichts mehr von Hunden sehen und hören zu müssen, zumindest für eine Weile, flog ich nach Kreta - fest entschlossen, wider der Meinung von Freunden, Kollegen und Kunden, ohne Hund zurückzukommen, denn die Trauer und der Schmerz, verbunden mit dem Schock, wenn ein Hund plötzlich geht, schien noch zu groß. Ich wusste innerlich, dass schon etwas besonderes passieren müsste, damit ich mich nochmal auf das Abenteuer Hund einlassen würde...

Zu meiner Begeisterung sahen die Straßenhunde, die ich dort traf auch sehr gut aus, so dass für mich keinerlei Versuchung bestand, einen gesunden, entspannten Hund aus der Freiheit einzufangen und mitzunehmen. 



Aber trotz der Trauer gewann die Faszination und Leidenschaft für Hunde. Wohl wissend, dass es natürlich nicht allen Hunden so gut geht, bot ich meine Hilfe Vorort bei einer Tierschutzorganisation an und meldet mich außerdem noch für den Rückflug als Flugpate, so dass ich wenigstens eine andere Familie glücklich machen konnte. 

Gut erholt trat ich den Rückflug an...Dort wartete auch schon jemand auf mich, der mir Hund und Papiere für den Flug übergab. Komisches Gefühl, wenn dein Name und deine Adresse sowohl im Impfpass als auch auf den anderen Papieren steht, obwohl es ja gar nicht dein Hund ist ;o) 


Leni (*Mai 2015) von Frau Stephanie Küster


Da lag sie nun, zusammengekauert in ihrer Box: "Bitte, bitte, lass sie eine nette Familie haben..." 

Wer die Strapaze gesehen und miterlebt hat, die ein Hund über sich ergehen lassen muss, wenn eine Flugreise angetreten wird, wird wirklich nur noch im Notfall einen Hund fliegen lassen. In die Box, auf den Gepäckwagen, wieder runter, hoch auf die Waage, wieder runter usw. dazu die vielen Menschen, auf den Kofferanhänger rauf, neben das Flugzeug, rein in den Gepäckraum, der Lärm, das Nichtwissen, was überhaupt passiert... Dunkel und Laut, Rütteln und Schütteln, Rums! Landung in Stuttgart.

Hier holt man als Flugpate seinen Hund bei dem Sperrgepäck ab und hofft, dass alles gut gegangen ist. Nicht selten sind Transportboxen auch mal beschädigt, denn auch dem Personal, dass das Gepäck verlädt, fällt so eine Box auch schon mal zu Boden. Aber alles gut gegangen, zwei Augen blickten mich liebevoll und fragend an..."Bitte bitte, lass sie eine nette Familie haben!"

Unter Tränen wurden wir in Empfang genommen, so eine sympatische Familie, puh - alles bestens, dachte ich. Bis der Satz fiel:"Wir bringen sie jetzt ins Tierheim." WAAAAAAS!!!!!!!!!!

Kurz nach Luft ringend, Schwindelanfall, Schnappatmung...Das darf doch nicht wahr sein! Aber, aber, aber.... mein Tag war gelaufen und die Urlaubsstimmung dahin. 

Die Tierliebe hielt mich davon ab, etwas Unüberlegtes zu tun. Da ich die nächsten zwei Tage sowieso nochmal unterwegs sein sollte, und in meinem Leben ohne Hund, der ja gerade nur aus Terminen der Ablenkung bestand, eigentlich kein Platz für eigene Hunde war, fuhr ich nach schwerem Abschied nach Hause. 

Da Frauen bei Stress bekanntlich reden müssen, wurde sofort meine Freundin mit ihrem Hund zu einem Spaziergang überredet und berichtet. Ein Plan war gefasst,Termine geändert, der Hund muss zu mir! Nur das Tierheim war am Wochenende geschlossen, also warten auf Montag...



Völlig erschöpft und zerzaust, saß Leni am Montag, den 12. Oktober 2015 um die Mittagszeit bei mir im Auto und es ging nach Hause. 


Willkommen Daheim!

Mit hunde-freundlichen und überglücklichen Grüßen, dass das Leben manchmal so ist wie es ist, Stephanie Küster



Sonntag, 25. September 2016

IMPULSKONTROLLE - Die Ruhe vor dem Sturm...

Jeder Hund sollte lernen, gewisse Regeln einzuhalten, denn ein harmonisches Leben in einer Gruppe ist ohne Regeln undenkbar. Gesunde Strukturen geben Hunden sogar Sicherheit, und sie fühlen sich wohl. Ist niemand da, der Ordnung in den Tagesablauf bringt, wird der Hund selbst versuchen, irgendwie Ruhe und Ordnung rein zu bringen, womit er jedoch in der Welt seines Menschen naturgemäß völlig überfordert ist. 

Kommt ein Hund in unser Zuhause, sollten wir von Anfang an einen Plan haben, was uns im Zusammenleben mit unserem Hund wichtig ist. Oberste Priorität sollte natürlich sein, dass ein Hund niemals sich und andere gefährdet! 

Wichtig ist hierbei, sich nicht auf Kommandos zu versteifen. Denn das würde zum einen bedeuten, dass wir den Reiz immer vor dem Hund wahrnehmen müssten und zum anderen, dass ein Hund viel Aufmerksamkeit für Situationen bekommt, die eigentlich normal sein sollten. Ziel sollte es sein, dass ein Hund Alltagssituationen so kennen lernen kann, so dass kaum noch Kommandos nötig sind. 

Daher sollte man Training nicht mit guter Erziehung verwechseln. 

Verlange ich z.B. von einem Hund, in jeder Situation das Kommando "Sitz", so mache ich den Hund zum Objekt menschlicher Erziehungsmaßnahmen, was die Verbindung zwischen Mensch und Hund unterbricht. Und dies aktiviert im Hirn die gleichen Netzwerke, als ob richtige Schmerzen zugefügt werden. "Prof. Dr. Gerald Hüther" 

Der Mensch ist dann nur noch damit beschäftigt, wie er den Hund kontrollieren kann und der Hund, wie er am besten aus der Nummer raus kommt oder aufgibt. Dabei sind Hunde durchaus in der Lage, selbständig friedliche Lösungen zu finden, so dass es für alle Beteiligten angenehm ist. 

Wenn ich nur darauf bedacht bin, ein bestimmtes Kommando durchzuführen, würde das bedeuten, dass die Gefühle eines Hundes kaum Beachtung finden. Dabei wäre es viel sinnvoller, seinen Hund erst einmal so gut wie möglich kennen zu lernen und zu gucken,welche Handlungen ein Hund von sich aus anbietet. Hunde kooperieren sehr gerne mit uns Menschen, denn nur aus diesem Grund haben sie sich freiwillig dem Menschen angenähert.

Der einzige Grund, warum Hunde nicht mehr mit uns kooperieren wollen liegt daran, dass sie zu lange kooperiert haben, aber ein emotionales Grundbedürfnis nicht erfüllt wurde oder lange Zeit Bedürfnisse zurückgestellt werden mussten. Dadurch können sich Gefühle anstauen, die sich dann meist auf einen auftretenden äußeren Reiz entladen. 

"Von einer Störung der Impulskontrolle spricht man, wenn ein Individuum unter einem unangenehmen Anspannungszustand leidet und diesen mit einem impulsiven Verhalten auflöst. Diese impulsiv ausgeführte Handlung führt zu einem kurzzeitigen Nachlassen der Anspannung."

Bevor man also mit irgendeiner Form des Trainings beginnt, sollte man seinen Hund kennen lernen, heraus finden, warum ein Hund unter Anspannung leidet, Lösungen suchen, und seinem Hund zeigen, dass er uns vertrauen und sich auf uns verlassen kann.

Impulskontrolle bedeutet nicht, jemanden absichtlich zu provozieren, um dann zu erwarten, dass er seine Gefühle kontrolliert. Das ist schlichtweg gemein und fördert nur noch mehr zu Stress und Frust. Kommandos sollten dazu da sein, einem Hund aus einer Situation heraus zu helfen und nicht, um ihn in eine für ihn unangenehme Situation hineinzubringen. 

Gerade junge Hunde sind oftmals so fasziniert von etwas, oder in der Pubertät durch die Umstruckturierung des Gehirns mit sich selber beschäftigt, dass man in dieser Zeit einfach nur gute Management Maßnahmen benötigt, um entspannt und sicher durch den Alltag zu kommen. 

Der Neurobiologe Bruce D. Perry machte die Beobachtung, dass Stress auslösende Erfahrungen - vor allem, wenn sie in frühen Jahren auftreten- das Gehirn von Jungtieren verändern können. Zahlreiche Tierstudien erbrachten Nachweise dafür, dass selbst scheinbar geringfügiger Stress in frühen Jahren einen dauerhaften Einfluss auf die Architektur und Chemie des Gehirns, und damit auf das Verhalten, ausübt.

Es hat oftmals den Anschein, dass Hundetraining dazu beiträgt, Verhalten zu verändern, aber oftmals werden nur unerwünschte Verhaltensweisen besser umgangen oder Impulse kontrolliert, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Dies geht in der Regel so lange gut, solange der Mensch mit seiner vollen Aufmerksamkeit dabei ist, um rechtzeitig zu reagieren. Mit Vertrauen und freundlich erlernten Verhalten hat das jedoch überhaupt nichts zu tun.

Hunde sind hoch empathische Wesen, die mit ihrer Bezugsperson emotional eng verbunden sind. 


Verändern wir uns, ändert sich auch der Hund! 


Mit hunde-freundlichen Grüßen, Stephanie Küster


Freitag, 2. September 2016

10 Merkmale, dass ein Hund traumatisiert sein kann

Die Anzahl der traumatisierten Hunde steigt Jahr für Jahr, aber da wir oftmals mehr mit den Zielen unserer Umwelt konfrontiert sind, in der ein Hund einfach nur zu funktionieren hat, wird es schnell übersehen. 

Die meisten Menschen denken bei Trauma immer daran, dass etwas ganz Schreckliches passiert sein muss. Mittlerweile weiß man jedoch, dass ein Trauma auch viel subtiler ausgelöst werden kann, z.B. durch andauernden Stress, besonders in den ersten 6 Monaten nach der Geburt. Denn ein "Trauma entsteht im Nervensystem und nicht im Ereignis" wie Peter Levine sagt. 


Jedes System reguliert sich anders. Wenn jedoch Energie bereit gestellt wird, die der Körper nicht verarbeiten kann, bleibt diese Energie im Nervensystem hängen, auch wenn das Ereignis vorbei ist. Diese hohe Energie führt zu weiteren körperlichen und psychischen Symptomen beim Hund, unter anderem z.B.:
    1. kommt schwer zur Ruhe, Hyperaktivität
    2. schläft nicht tief und fest
    3. sehr schreckhaft
    4. dissoziiert (reagiert nicht auf Reize)
    5. kein Interesse an der Umwelt
    6. beschwichtigt, ohne erkennbaren Grund
    7. reagiert über in bestimmten Situationen
    8. braucht länger, sich nach aufregenden Ereignissen zu regulieren
    9. hohe Krankheitsrate (Allergien, Durchfall, Hautprobleme, übermäßiger Parasitenbefall, wiederkehrende Entzündungen, Schilddrüsenprobleme)
    10. kann trotz richtigem Training nicht alleine bleiben oder im Training hat man das Gefühl, immer wieder von vorne anfangen zu müssen
Das Ziel sollte sein, dem Hund neue Fähigkeiten zu vermitteln, damit der Hund auf neue Handlungsmöglichkeiten zurückgreifen kann. Der Hund sollte sich wieder selber spüren und regulieren können, damit er wieder mit anderen Lebewesen auf freundliche Art und Weise in Kontakt treten kann, ohne die eigenen Grenzen aufgeben zu müssen. Denn Trauma ist immer eine Verletzung von Grenzen gewesen.

Es sollte niemals nur darum gehen, Ängste zu unterdrücken oder andere Symptome zu reduzieren. Sondern letztendlich sollte die Schockenergie den Körper verlassen, und dem Hund zu neuer Lebensfreude und gesunder Energie verhelfen. Mit Konditionierungen und vielen anderen Trainings kommt man hier nicht weiter, dazu bedarf es wesentlich mehr.

Trauma ist keine Krankheit, sondern eine Bewusstseinsstörung!

Da ein Hund im Gegensatz zum Menschen nicht über Glaubenssätze und Überzeugungen nachdenkt, sowie mit einem Ego konfrontiert ist, ist es auf der einen Seite viel leichter ein Trauma aufzulösen, auf der anderen Seite versteht der Hund nicht so recht, warum wir was mit ihm tun, was einiges wiederum erschwert. 

Was ein Hund jedoch braucht, um eine Angst integrieren zu können, ist jemand, dem er vertraut, ihnen Sicherheit gibt und der imstande ist, sich so in den Hund einzufühlen, dass neue neurologische Muster entstehen können. Dabei leiht die Bezugsperson dem Hund sozusagen sein eigenes Nervensystem, bis der Hund sich wieder selbständig regulieren kann. 

Hunde spüren jede noch so kleine Regung ihrer Bezugsperson. Sollte ich also selber Angst in der Situation haben oder mich selber unwohl fühlen, so wird es für einen Hund, der diesbezüglich auch Probleme hat, quasi unmöglich, eine neue positive Erfahrung zu machen. 


Leckerchen, Clicker und Co. können die aktuelle Situation ein wenig entspannen (Management Maßnahmen), jedoch wird keine wirkliche Heilung stattfinden. Das lässt sich leicht beweisen, da jede weitere Begegnung immer wie eine Art Glücksspiel abläuft. Menschen und/oder Hunde werden angewiesen, sich so oder so zu verhalten, oder der Hund muss durch Signale immer wieder unterstützt werden, so dass es nicht zu einer unerwünschten Verhaltensweise kommt.  

Woran man eine Traumatisierung nicht erkennen kann, ist am Ereignis, denn jeder verarbeitet Dinge anders, und was den einen erschüttert, berührt jemanden anders überhaupt nicht.

Woran erkenne ich, dass ein Trauma vom Hund integriert worden ist, z.B.:
  • keine Dissoziation mehr, Hund ist ansprechbar, nimmt seine Umwelt war und interessiert sich auch neugierig dafür
  • der Hund kommt mit Veränderungen gut zurecht, während der traumatisierte Hund schon mit Möbel umstellen in der gewohnten Umgebung überfordert sein kann oder mit der Veränderung der Fütterungszeiten
  • adäquates Verhalten, kein plötzliches Aggressionsverhalten oder panische Fluchtversuche
  • der Hund kommt nach Befriedigung seiner Grundbedürfnisse schnell zur Ruhe und schläft 
  • der Hund fühlt sich mit seinen Menschen sicher und kann auch nach angemessener Zeit gut alleine bleiben
Auf keinen Fall sollte man den traumatisierten Hunden immer und immer wieder in eine Situation bringen, die er nicht bewältigen kann. Auch Schmerzreize und andere Angst machende Methoden sollten auf keinen Fall Anwendung finden, oder Futterentzug, damit der Hund wieder reagiert. Ein Trauma mit einem anderen eventuell sogar Trauma auslösenden Reiz zu bewerkstelligen, grenzt an Perversion und Quälerei.

Warum scheinen gequälte und bestrafte Hunde ihren Besitzer trotzdem bedingungslos zu lieben?

Dieses psychologische Phänomen ist so verbreitet, dass es Stockholm-Syndrom genannt wurde, benannt nach einem Vorfall am 23. August 1974 in Stockholm, wo sich die Geisel in ihren Entführer und Peiniger verliebt hat.

Auch wenn es irrational erscheint, Gefühle der Liebe für einen Partner zu haben, der einen wiederholt schlecht behandelt, so ist es dennoch weit verbreitet und kommt öfter vor als man glaubt.

Stockholmsyndrom darf niemals mit guter Bindung verwechselt werden. Diese ungesunde Bindung verstärkt sich, wenn die Bezugsperson zwischen Zuckerbrot und Peitsche wechselt - zu Hause der süße, liebe Wuffi, mit dem gekuschelt wird und Leckereien zugesteckt bekommt, und draußen geht's ab mit Leinenruck, Runter drücken und anderen Verunsicherungsmethoden, denen der Hund sich nicht entziehen kann. 

Eine gesunde Beziehung hat nur Bestand, wenn sie auf Vertrauen, Wertschätzung, Mitgefühl, Toleranz und Gleichwürdigkeit besteht.

Mit hunde-freundlichen Grüßen, Stephanie Küster