Freitag, 2. Dezember 2022

Kommunikation 🐾

Bogen laufen - ein unterschätztes Kommunikationsmittel


Lässt man Hunden die Wahl, würden viele Hunde einen ganz anderen Abstand wählen als der, den sie einhalten müssen.

Kurze Leine und keine Ausweichmöglichkeiten, Leinenruck, womöglich nicht mal die Chance stehen zu bleiben, um andere Kommunikationssignale zeigen zu können, bringen Hunde in eine schlechte Ausgangslage.

Sie wollen höflich sein, aber der Mensch lässt dies nicht zu und merkt oftmals nicht einmal, dass er seinen Hund in eine Konfliktsituation bringt.

Hunde sind Hunde und werden es immer bleiben. Sie werden sich niemals auf Distanz etwas zurufen können, um den anderen mitzuteilen, dass sein Verhalten nichts mit seinem Gegenüber zu tun hat und er nur in Eile ist.

Hunde laufen Bögen,

🔸 um Konflikte zu vermeiden
🔸 weil sie unsicher sind
🔸 um zu zeigen, dass sie freundlich      gesinnt sind
🔸 weil sie sich nicht wohl fühlen, krank sind oder Schmerzen haben, also Ruhe und Abstand brauchen
🔸 weil sie spüren, dass ihr Gegenüber keinen Kontakt will
🔸 wenn das Gegenüber unter Druck oder Anspannung steht
🔸 weil sie einfach nur höflich sein wollen

Ein ruhiger Hund ist nicht unbedingt auch ein freundlicher. Sie haben nur gelernt, dass Kommunikation von ihrem Mensch nicht verstanden und oftmals sogar abtrainiert wird. Immer mehr Hunde müssen lernen, alles auszublenden, Kommunikation zu unterlassen und zu funktionieren. Freundlich ist das nicht, weder für andere noch für den Hund selber, da Kommunikation mit dem Gegenüber gar nicht stattfinden und sogar andere Hunde so verunsichern kann, dass diese mit Defensivstrategien reagieren können.

Ich hoffe immer auf ein freundliches, respektvolles Miteinander, aber bei unterschiedlichen Auffassungen von Freundlichkeit laufe auch ich hin und wieder großzügig Bögen, um Konflikte für meinen Hund und mich zu minimieren.❤🙏

Dienstag, 29. November 2022

Vorsicht Blasenentzündung 😬

Blasenentzündung...  ❗❗❗

Das beste Mittel ist, erst gar keine zu bekommen. Leider geht es jetzt schon wieder los, dass insbesondere alte, kranke Hunde und Welpen bei den nasskalten Temperaturen schnell eine Blasenentzündung bekommen.

Die Symptome sind beim Hund genauso vielfältig wie beim Menschen: ständiger Harndrang, Schmerzen beim Lösen, Probleme, Harn zu halten. Einige Hunde neigen jedoch dazu, den Harm zurück zuhalten, um dem mehr als unangenehmen Gefühl zu entgehen. Der Urin kann streng riechen und es kann Blut im Urin sein, auch wenn es nicht mit bloßem Auge zu erkennen ist. Auch krampfartige Schmerzen im Unterbauch können für eine Blasenentzündung sprechen sowie Fieber. Eine erhöhte Wasseraufnahme kann oftmals zusätzlich beobachtet werden, sowie viele andere Symptome, die Hunde zeigen, wenn sie gestresst sind.

Solltet ihr diese Symptome beobachten, sollte schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden.

Mit den nachfolgenden Tipps sollte man jedoch gut durch die kalte Jahreszeit kommen:

🔴 Sehr junge Hunde und einige Rassen haben keine oder noch keine Unterwolle und einen nackten Bauch. Sie sollen nicht nur bei Regen, sondern auch bei kühlen Temperaturen einen wärmenden Mantel angezogen bekommen, der über die gesamte Rückenlänge geht und auch die Unterseite trocken und warm hält.

🔴 Verzichtet auf Kommandos, in denen der Hund sitzen oder liegen soll. Durch die Bewegung ist der Körper erstmal aufgewärmt, daher merken einige Hunde die Kälte anfangs gar nicht so. Jedoch kühlt das nasse Fell den Körper deutlich mehr aus. Daher sollte das Fell auch nach einem Spaziergang abgetrocknet werden.

🔴 Auch das Auto kann, besonders über Nacht, stark ausgekühlt sein. Da die wenigsten Hundeplätze über eine Sitzheizung verfügen, ist es sinnvoll eine Wärmflasche (Vorsicht bei Hunden, die dazu neigen, Dinge kaputt zu machen) oder eine Snuggle Safe Wärmeplatte auf oder unter die Liegefläche des Hundes zu legen. So ist die Fläche schön warm, wenn Hund vor oder nach einem Spaziergang ins Auto darf.

Besonders Welpen verkrampfen sich so sehr, wenn sie frieren, dass ein “Lösen“ schwer möglich ist. Kaum zu Hause entspannen Sie und es läuft...

Anstelle draußen zu bleiben bis Hund seine “Geschäfte“ erledigt hat, hilft es, den Hund einfach warm einzupacken.

Je wohler sich ein Hund fühlt, umso besser arbeitet das Immunsysten und wir kommen nicht nur gut durch die kalte Jahreszeit, sondern Parasiten, Viren und Bakterien nehmen eher reißaus...

Bleibt gesund und kommt gut durch die kalte Jahreszeit. ⛄❄🌧

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Physio to Go 🐾

Physio to Go - Im Herbst sind Spaziergänge im Wald einfach am schönsten 🍁

Außerdem kann die Natur wunderbar genutzt werden, um die Geschicklichkeit zu fördern, die Muskulatur aufzubauen, Dehnübungen zu machen und Spaß zu haben.

Auch jagdlich motivierten Hunden können diese Spielereien dienen, den Fokus auf etwas anders zu lenken, nämlich auf den eigenen Körper.

Es gibt viele Möglichkeiten, hin und wieder ein bisschen Schwung in den Alltag zu bringen.

Es kommt gar nicht darauf an, eine perfekte Performance zu zeigen 😆,
aber sich etwas auszudenken, und gemeinsam über Stock und Stein zu klettern, schafft Vertrauen und eine sichere Bindung 😍


Trauma

Immer häufiger werde ich um Rat gefragt, wenn es um traumatisierte Hunde geht.


Letztendlich kann man nicht viel tun, aber ganz viel machen! Denn Trauma ist nichts, was ich kognitiv lösen kann, also mit Willenskraft. Daher ist klassisches Training auch eher kontraproduktiv.

Ein Gefühl verschwindet nicht einfach, weil ich es will oder ein Trainer. Der Körper erinnert sich an Erregungszustände. Daher ist auch das Erlebnis nicht Ausschlag gebend, sondern das innere Erleben.

Wenn heute etwas einen ähnlichen Erregungszustand hat wie das Erlebte, und diese Energie als gefährlich eingestuft worden ist, dann wird der Körper automatisch wieder mit Angst und / oder Erstarrung reagieren.

Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht, und es werden sofort Defensivstrategien eingeleitet.

Wenn Hunde nie gelernt haben, sich regulieren zu lassen und sich auch nicht selber regulieren können, ist anfangs sehr viel Geduld erforderlich, damit das Nervensystem sich traut anzudocken.

Allerdings sollte dem Hund ein gut regulieres Nervensystem zur Verfügung stehen, um sich zu stabilisieren.

Das Video beschreibt sehr gut, wie Tiere auf andere reagieren und wie selbst traumatisierte Menschen, die trotz Selbstreflektion anfangs Zuständen ausgeliefert sind, Schritt für Schritt in ein gesundes Leben zurück kehren können.

Trauma braucht gewisse Umstände, um überhaupt heilen zu können. Und es bedarf in erster Linie Sicherheit, um sich zu zeigen.  Aber der Weg lohnt sich...❤

Link in den Kommentaren, um das Nervensystem und Trauma besser zu verstehen #polyvagaltheorie

Ein neuer Hund zieht ein

Das Welpen einem ständig hinterher laufen, ist völlig normal! Denn Welpen wissen, dass sie alleine dem Tode geweiht sind. Sie können sich weder alleine ernähren, wärmen, noch sich vor Feinden schützen.

Umso wichtiger ist es, besonders Zuhause, Ruhe vorzuleben, d.h. rum zu stehen oder zu sitzen, bis ein Hund die Abläufe kennt und soviel Vertrauen entwickelt hat, dass er sich auch ohne uns entspannen kann.

Mir wurde neulich zugetragen, dass man so lange im Haus rumlaufen soll, bis dem Welpen es zu langweilig sei. Dies würde jedoch voraussetzen, dass einem Welpen überhaupt langweilig ist und stundenlang beschäftigt werden müsste...

Ein Welpe läuft aus purer Angst und Verzweiflung seinen Besitzern hinterher. Da die biologische Antwort auf's Alleine sein Todesangst hervorruft, würden junge Hunde oder Hunde, die das Alleine sein noch nicht gelernt haben, alles dran setzen, ihrer Familie zu folgen.

Die Natur hat es für Notfälle so eingerichtet, dass immense Mengen an Energie bereit gestellt werden, um zu überleben. Allerdings bedarf es wiederum bis zu 6 Tagen, bis sich dieser Überschuss wieder normalisiert hat. Sollte es in dieser Zeit zu weiteren aufregenden Ereignissen kommen, hat dies wiederum zur Folge, dass es zu Nervosität, Ruhelosigkeit und Schlafmangel u.s.w. kommt.

Dadurch entsteht der Eindruck, ein Hund müsste noch mehr “ausgelastet“ werden... Ein fataler Kreislauf beginnt 😥

Ein Welpe ist kein ausgebildeter Therapiehund - der Fels in der Brandung sozusagen, der dafür da ist, den Stress unseres Alltags zu kompensieren.  Ein junger Hund braucht selber Unterstützung, um die große, weite Welt, soziales Miteinander und individuelle Regeln kennenzulernen.

Die Abwesenheit von Gefahr reicht nicht aus, damit sich Hunde sicher fühlen. Sie brauchen entspannte Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren, lernen und wachsen können. ❤

Sonntag, 3. Juli 2022

Impulskontrolle

Selbstregulation bedeutet nicht, sich gut zusammen reißen zu können, sondern alle Gefühle fühlen und zulassen zu können, ohne aus der Rolle zu fallen, und sich am Gegenüber abreagieren zu müssen.

Gefühle zu unterdrücken oder wegzudrücken, ein sich ständiges zusammen zu reißen, führt zu Blockaden, Angst, Mangel und andern vielen Körpersymptomen...

Auch Hunde werden nicht durch Stress resilienter, sondern nur durch Herausforderungen, die sie auch bewältigen können.

Anstatt mit “Reiß Dich zusammen, Schluss jetzt“ könnten wir auch mit ruhiger Präsenz ein sicherer Ort sein, an dem der aufgeregte Hund zur Ruhe kommen kann.

Samstag, 25. Juni 2022

Bindung ❤

Sicherheit -> Nähe -> Kontakt -> Bindung

SICHERHEIT - ist die Voraussetzung, bevor überhaupt irgendetwas Gutes beginnen kann!

Sich sicher zu fühlen, ist eines der wichtigsten Grundvoraussetzungen, bevor starke soziale Beziehungen entstehen können.

Denn nur wenn ein Hund sich mit uns sicher fühlt, sucht er unsere Nähe, möchte irgendwann sogar Körperkontakt und ist bereit, Neues zu lernen.😍

Leider sieht die Welt heutzutage oftmals anders aus. Wir fassen den Hund sofort an, streicheln und umarmen ihn evt sogar noch, bis Hund knurrt oder schnappt... und plötzlich fühlt sich niemand mehr sicher.

Leider hat dann oft der Hund das Nachsehen, dabei haben wir uns nur nicht an die Reihenfolge gehalten, die für eine sichere Bindung notwendig ist.

1. Zeige deinem Hund, dass er sicher ist - und verhalte dich vor allem so! Kündige Handlungen verbal oder durch Körpersprache vorher an -> sei berechenbar.

2. Wenn ein Hund sich sicher fühlt, wird er in der Regel schon aus Neugier deine Nähe aufsuchen. Ansonsten mach es wie mit einem Besucher, eine Kleinigkeit zum Essen (Leckerchen) anbieten, hat schon so manches Eis gebrochen... Aber bedenke, nur weil jemand Nähe herstellt, hat das nichts damit zu tun, dass derjenige angefasst werden will -> also Finger weg!

3. Auch ein Hund kann klar und unmissverständlich zeigen, dass er Körperkontakt möchte, z.B. durch randrücken, anstupsen, rankuscheln... Wenn ein Hund bei Berührungen zappeliger wird, ausweicht, weggeht oder gar "nur" die Luft anhält, dann sollte man die Finger weglassen.

4. Nur wenn ein Hund sich mit uns wohlfühlt und die Nähe mit uns genießen kann, wird Oxytocin (das Kuschelhormon, welches soziale Interaktionen beeinflusst und Stress reduzieren kann) ausgeschüttet.

Berührungen, also Nähe ohne dass sich der Hund sicher fühlt, führt zur Mobilisierung des Körpers, was Defensivstrategien auslösen kann.

Wirkliche Nähe kann man nicht trainieren - Vertrauen macht einen Hund "gehorsam" und ist der Schlüssel zum Erfolg. 🥰